Die größten Finanzierungsrunden 2016 – German Article in Wirtschafts Woche by Maximilian Noworth

 

“Die größten Finanzierungsrunden 2016”

Bei den sechs finanzstärksten Kapitalrunden im ersten Halbjahr 2016 dominierten internationale Investoren.

August 29, 2016

 

In Deutschland gibt es gefühlt mehr Initiativen für Gründerkultur als Gründer. Kaum eine politische Sonntagsrede verklingt, ohne dass jemand eine bessere Infrastruktur für deutsche Start-ups fordert, gerade jetzt vor den Landtagswahlen in Berlin.

Nach Erkenntnissen des EY-Start-up-Barometers darf sich Berlin zwar nicht mehr Gründerhauptstadt Europas nennen, weil in Städte wie London oder Stockholm deutlich mehr Risikokapital floss. Aber immerhin: 957 Millionen Euro haben junge Unternehmen in ganz Deutschland in der ersten Jahreshälfte 2016 eingesammelt.

Wir wollten wissen, wer die Geldgeber hinter den finanzstärksten Kapitalrunden sind. Dafür haben wir uns zuerst angeschaut, wie hoch die Gesamtsumme der Finanzspritze für das jeweilige Unternehmen war. Und dann haben wir im Handelsregister verglichen, wie sich die Anteilsinhaber an den Start-ups vor und nach der Kapitalrunde verändert haben. Das Ergebnis: Bei den sechs größten Risikokapital-Runden kam das große Geld immer aus dem Ausland.

Ein Grund dafür ist, dass es in Deutschland nicht genügend finanzstarke Fonds gibt, die bei großen Finanzierungen mithalten können. Rocket Internet ist immer noch eine Ausnahmeerscheinung. Insgesamt 23 Kapitalrunden mit einem Wert von mehr als zehn Millionen Euro gab es in der ersten Jahreshälfte 2016 in Deutschland. Nur bei sechs waren überhaupt deutsche Fonds beteiligt.

Andererseits zeigt diese Dynamik auch, dass deutsche Start-ups attraktiv sind für internationale Investoren. Die geben den Unternehmen nicht nur Geld, sondern auch Expertise und Wachstumsmöglichkeiten für andere Märkte – damit die Rendite bei einem möglichen Verkauf noch höher ausfällt.

So liefen die sechs größten Deals deutscher Start-ups mit ausländischen Großinvestoren ab:

  1. Twitter steigt bei Soundcloud ein
    Der amerikanische Kurznachrichtendienst Twitter wurde mit 62 Millionen Euro im Juni zum neuen Großinvestor bei dem Streaming-Start-up Soundcloud. Vor zwei Jahren hatten die Amerikaner sogar überlegt, das Berliner Unternehmen ganz zu übernehmen. Der Unternehmenswert von Soundcloud wird auf 700 Millionen Dollar taxiert, kein einziger Großinvestor kommt aus Deutschland.
  2. Inventure aus Singapur übernimmt Xolution
    Wiederverschließbare Dosendeckel made in München: Das war dem singapurischen Verpackungsunternehmen Inventure eine Finanzspritze von 39,3 Millionen Euro wert. Damit kaufen sie drei Viertel der Unternehmensanteile. Der bis dahin größte Inhaber von Xolution war der Investment-Arm des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé.
  3. Niederländer beteiligen sich an Fitnessgeräten von eGym
    Mit der Finanzierung im März – 35,7 Millionen Euro kamen vom niederländischen Investor HPE Growth Capital – wurde endgültig klar, dass bei dem Münchner Hersteller von vernetzten Fitnessgeräten das Geld aus dem Ausland kommt. Nur einen Teil der ersten größeren Finanzierungsrunde erhielt eGym aus der Heimat, unter anderem vom Bonner High-Tech Gründerfonds. Doch der zweite Großinvestor neben HPE ist Highland Capital Partners aus der Schweiz.
  4. N26 und der asiatische Milliardär
    Li Ka-Shing ist der zweitreichste Mann Asiens und seit Juni Großinvestor bei dem Berliner Fintech-Start-up N26. Er will der Smartphone-Bank die Expansion in Europa ermöglichen. Vor einem Monat besorgte sich Fintech eine Vollbanklizenz. Nach unseren Berechnungen erhielt das Unternehmen bei der vergangenen Finanzierungsrunde eine Bewertung von 157,9 Millionen Euro.
  5. US-Fonds steigen bei Finanzcheck ein
    Finanzcheck ist gleichzeitig Online-Marktplatz und Vergleichsplattform für Kredite. Bei der Finanzierungsrunde im April besorgte sich das amerikanische Private Equity-Haus HarbourVest 14,3 Prozent der Anteile mit einer Investition von 17,9 Millionen Euro. Der US-Geldgeber Highland Capital und der Münchner Wachstumsinvestor Acton Capital Partners schossen Geld nach. Letztere halten nun immerhin 7,9 Prozent an dem Unternehmen, das mit knapp 120 Millionen Euro bewertet wird.
  6. Amsterdamer Fonds steigt bei AEVI ein
    AEVI treibt das bargeldlose Zahlen mit Transaktionsplattformen für Unternehmen voran und baut Tablets als mobile Zahlsysteme. Das Paderborner Start-up ging aus dem Geldautomaten-Hersteller Wincor Nixdorf hervor, der im Mai eine Minderheitsbeteiligung von 9,7 Prozent für 30,2 Millionen Euro an den niederländischen Fonds HPE Growth Capital verkaufte. Dadurch steigt die Bewertung auf 311,3 Millionen Euro.

 

Source: Wirtschafts Woche Online – Link to the original article.